Pressespiegel




27.12.2008 Vatikan fürchtet sich vor Homosexuellen

Die katholische Kirche fürchtet, Menschen würden zur Homosexualität verleitet. Papst Benedikt XVI. hat zu Weihnachten gleichgeschlechtliche Partnerschaften scharf verurteilt.

"Wo bleibt die Moral?", fragt "Tages-Anzeiger"-Redaktor Michael Meier im folgenden Kommentar:

    Vor Kardinälen, Bischöfen und Prälaten - seiner ausschliesslichen männlichen Familie im Vatikan - bekräftigte der Pontifex in seiner Weihnachtsrede, nur die lebenslange Verbindung von Mann und Frau sei ein "Sakrament der Schöpfung". Unhaltbare Argumente.

    Die katholische Kirche müsse nicht nur die Erde, das Wasser und die Luft als Gaben der Schöpfung verteidigen, sondern auch den Menschen vor Selbstzerstörung schützen, erklärte der Papst mit Blick auf die Homo-Ehe. Eine "im rechten Sinne verstandene Ökologie des Menschen" sei notwendig. Schwulen- und Lesbenverbände in aller Welt haben seinen Vorstoss als "abwegig, hetzerisch und unverantwortlich" verurteilt.

    Der viel gepriesene Intellektuelle auf dem Papstthron bedient sich einer Argumentation, die theologisch längst entkräftet ist - und als fundamentalistisch bezeichnet werden kann. Moraltheologen sprechen von einem "naturalistischen Fehlschluss", wenn von der Schöpfungsordnung, also von der Natur, auf das sexuelle Veralten geschlossen wird. Die Moral ist nicht in Natur und Schöpfung vorgegeben. Wäre dem so, müsste Papst Benedikt den Kannibalismus predigen, weil in der Natur das Gesetz des Fressen-und-Gefressen-Werdens dominiert.

    Auslöser für seine Rede sind Bestrebungen nicht nur in Italien, die gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren. Anfang Monat protestierte der Vatikan gegen den Vorschlag Frankreichs, im Namen aller EU-Mitglieder der Uno ein Projekt zur weltweiten Aufhebung der Strafbarkeit gelebter Homosexualität vorzulegen. Für den Vatikan kommt das einer Empfehlung für die Homo-Ehe gleich.

    Es ist das alte Lied: Kirchenmänner fürchten, dass eine liberale Gesetzgebung alle Dämme brechen lässt und die Menschheit insgesamt verleitet, homosexuell zu leben und Familie und Kindern abzuschwören. Eine legitime Vielfalt der sexuellen Orientierung ist für die Kirche schlicht nicht denkbar. Homophobe Kirche.

    Psychologisch gesehen ist die Dammbruchangst bei Klerikern einigermassen nachvollziehbar. Zölibatär lebende Geistliche, die ein Leben lang ihre Sexualität - und viele ihre Homosexualität - in Schach zu halten suchen, fürchten, von dieser überschwemmt zu werden, wenn die Kontrolle wegfällt. Es ist eine Binsenwahrheit, dass die Homophobie dort am besten gedeiht, wo sich Menschen von ihren eigenen uneingestandenen homosexuellen Neigungen bedroht fühlen. Benedikt wusste, anders als bei seiner Rede in Regensburg 2006, mit der er die Muslime beleidigte, sehr genau, welches Minenfeld er betreten würde. Lange hielt er sich mit homofeindlichen Äusserungen zurück. Dass er just zu Weihnachten in die alte Kerbe geschlagen hat, ist bedenklich.

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01.12.2005 In höchstem Masse diskriminierend

Homosexuelle dürfen nicht Priester werden. Mit dieser Ausgrenzung befinden sich Papst und Kirche im Widerspruch zu modernen humanwissenschaftlichen Erkenntnissen, sagt Udo Rauchfleisch, Psychologieprofessor an der Universität Basel. Hier das Interview mit Wolf Südbeck-Baur in der BAZ vom 1. Dezember 2005:

    Baz: Herr Rauchfleisch, wie beurteilen Sie die neue Verlautbarung des Papstes zu Homosexuellen und zum Priesteramt ?

    Udo Rauchfleisch: Diese Verlautbarung entspricht zum einen der Haltung, die der Papst bereits in der Zeit, in der er Präfekt der Glaubenskongregation war, vertreten hat. Zum andern muss man aus humanwissenschaftlicher Sicht sagen, dass die jetzigen Äusserungen nicht nur sachlich falsch sind, sondern auch in höchstem Masse diskriminierend. So spricht der Papst Schwulen generell die "affektive Reife" ab und vertritt die Ansicht, die gleichgeschlechtliche Orientierung behindere Menschen "schwerwiegend an der korrekten Beziehungsaufnahme zu Männern und Frauen". Dies ist eine ungeheuerliche Unterstellung, die in keiner Weise der Realität entspricht.

    Baz: Wie ist heute der Stand der humanwissenschaftlichen Erkenntnisse im Blick auf gleichgeschlechtlich empfindende Menschen ?

    U.R.: Nach heutigem humanwissenschaftlichem Kenntnisstand ist Homosexualität eine der Heterosexualität gleichwertige Variante. Angesichts der hohen Dunkelziffer müssen wir sicher davon ausgehen, dass 10 bis 15 % der Gesamtbevölkerung eine gleichgeschlechtliche Orientierung aufweisen. Sie hat überhaupt nichts mit einer psychischen Krankheit zu tun, sondern enthält wie die Heterosexualität auch das gesamte Spektrum von Gesundheit bis Krankheit.

    Baz: Die Zeiten, da Homosexualität als Resultat einer falschen Entwicklung angesehen wurde, sind also vorbei ?

    U.R.: Sicher. Es gibt keinerlei Erkenntnisse, Homosexualität hätte etwas mit Erziehungsfehlern zu tun. Daher wurde die Diagnose Homosexualität bereits vor vielen Jahren aus den internationalen Klassifikationssystemen für psychiatrische Erkrankungen gestrichen. Insofern befindet sich die katholische Kirche in krassem Widerspruch zu unseren humanwissenschaftlichen Erkenntnissen und verharrt auf einer anachronistischen, völlig überholten Position, die heute unhaltbar ist.

    Baz: Wie wird sich dieser Bannstrahl gegen schwule Priester auf den gleichgeschlechtlich orientierten Teil des Klerus auswirken ?

    U.R.: Es ist bekannt, dass sich im Klerus eine überproportional grosse Zahl von Männern mit gleichgeschlechtlicher Orientierung findet. Man geht von rund 20 % gleichgeschlechtlich orientierten Priestern aus. Sie werden zu einem Spagat gezwungen. Das heisst, diese Menschen müssen einen permanenten Kampf zwischen der eigenen Orientierung und der Verurteilung durch das kirchliche Lehramt führen. Die Schuldgefühle können so massiv werden, dass Menschen bis an den Rand des Suizids getrieben werden, weil sie diese innere Zerrissenheit nicht aushalten.

    Baz: Welche Konsequenzen ergeben sich für die katholische Kirche ?

    U.R.: Die Konsequenzen für die Kirchen wären, sich erstens für die Erkenntnisse der Humanwissenschaften zu öffnen. Das hiesse - und das ist in der katholischen Kirche das Problem - , dass sie sich auch andern Themen wie Frauenordination, Selbstbefriedigung und Safer Sex öffnen müsste. Zweitens hiesse das, im Zug der Umsetzung der humanwissenschaftlichen Erkenntnisse die Passagen im Weltkatechismus zu streichen, in denen Lesben und Schwule diskriminiert werden. In dieser Hinsicht bedeutet die jüngste Verlautbarung des Papstes einen grossen Schritt in die genau falsche Richtung.

    Baz: Die Schweizer Bischöfe halten in einer Stellungnahme fest, dass "eine homosexuelle, aber in geschlechtlicher Enthaltsamkeit gelebte Neigung nicht vom kirchlichen Dienst ausschliesst". Sind die Schweizer Bischöfe moderater ?

    U.R.: Demnach scheinen die Schweizer Bischöfe moderater zu sein, als der Vatikan. Ich zweifle aber daran, ob sie letztlich den Mut haben werden, sich gegen das päpstliche Diktat zu stellen, oder ob sie Männer mit gleichgeschlechtlicher Orientierung prinzipiell von der Priesterweihe ausschliessen.

Zur Person: Udo Rauchfleisch ist Professor für Klinische Psychologie an der Universität Basel und Psychotherapeut in privater Praxis. Seine jüngste Publikation: "Wer sorgt für die Seele ?" befasst sich mit den Möglichkeiten einer Zusammenarbeit von Psychotherapie und Seelsorge.

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03.12.2003 Partnerschaftsgesetz im Nationalrat, Pressemitteilung

von der Schweizerischen Schwulenorganisation PINK CROSS
Lesbenorganisation Schweiz LOS
Freundinnen, Freunde und Eltern von Lesben und Schwulen FELS
Schwule Führungskräfte Network

    Zur Verabschiedung des Partnerschaftsgesetzes im Nationalrat, der wichtige Schritt zur Gleichstellung von Lesben und Schwulen.

    Endlich ist der Traum vieler Lesben und Schwulen der Realität ein Stück näher gerückt. Acht Jahre nach Einreichung der Petition «Gleiche Rechte für Gleichgeschlechtliche Paare», hat der Nationalrat das Bundesgesetz über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare verabschiedet. Damit macht die Schweiz einen wichtigen Schritt zur Gleichstellung und gegen die Diskriminierung von Lesben und Schwulen.

    Die nationalen Organisationen Lesbenorganisation Schweiz LOS, die schweizerische Schwulenorganisation PINK CROSS, die Vereinigung Freundinnen, Freunde, Eltern von Lesben und Schwulen FELS sowie die Schwulen Führungskräfte NETWORK haben mit Freuden zur Kenntnis genommen, dass der Nationalrat das Gesetz über die eingetragene Partnerschaft mit grosser Mehrheit verabschiedet hat.

    Nach wie vor bedauern die Organisationen, dass im schweizerischen Kompromiss-System derzeit nur eine Regelung in einem Sondergesetz mit verschiedenen Unterschieden zur Ehe möglich scheint, nehmen das aber grundsätzlich hin. Schwer zu verdauen ist allerdings, dass der Nationalrat am Verbot der Adoption und sogar der Stiefkind-Adoption festgehalten hat. Die Lesben- und Schwulenorganisationen appellieren an den Ständerat, das Geschäft schnellstmöglich zu behandeln, damit Lesben und Schwule nicht noch länger diskriminiert werden.

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31.8.2003 FELS Leserbrief zur unsäglichen Vatikan Kampagne

    FELS FreundInnen und Eltern von Lesben und Schwulen

    LESERBRIEF

    Vatikan ruft unsere Politiker dazu auf, unsere lesbischen Töchter und schwulen Söhne weiterhin zu diskriminieren.

    Mit Erschrecken stellt FELS fest, dass der Vatikan unsere Politiker dazu aufruft, unsere lesbischen Töchter und schwulen Söhne weiterhin zu diskriminieren. FELS ist die schweizerische Organisation der FreundInnen und Eltern von Lesben und Schwulen. Dieses Erschrecken teilen wir mit LOS und PINK CROSS den schweizerischen Organisationen der Lesben und Schwulen.

    Wir leben nicht in einem Kirchenstaat, sondern in einem Rechtsstaat. Unsere Bundesverfassung hält ausdrücklich fest: Es darf niemand wegen seiner Lebensform diskriminiert werden. Dass der Vatikan unsere katholischen Politiker und Gläubigen dazu auffordert, unsere Verfassung zu missachten, ist nicht akzeptierbar.

    Wir setzen uns ein für die eingetragene Partnerschaft und für die volle gesellschaftliche Akzeptanz unserer Söhne und Töchter. Wir weisen die ungeheure Behauptung, eine Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften schade dem Allgemeinwohl, entschieden zurück. Im Gegenteil, der menschenfeindliche Dogmatismus des Vatikans ist der Grund unzähliger zerrütteter Familienverhältnisse, von Müttern und Vätern, die mit dem lesbisch oder schwul sein ihrer Kinder nicht zurecht kommen.

    Wir wünschen uns eine katholische Kirche, die die Fehler der Vergangenheit korrigiert und an vordester Front für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen einsteht. Oder ist dies eine Illusion?

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29.09.2002 FELS Leserbrief an die Zürcher Bevölkerung, veröffentlicht im Tagesanzeiger

    Ermutigendes Ja

    Mit ihrem klaren Ja zum Partnerschaftsgesetzt haben die Zürcher Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ein klares Zeichen zur Integration unserer homosexuellen jugendlichen und erwachsenen Kinder in die Gesellschaft gesetzt.

    Damit werden alle Familien mit lesbischen Töchtern und schwulen Söhnen gestärkt und ermutigt, sich öffentlich zur Lebensweise ihrer Kinder zu bekennen. Dies wiederum festigt die familiären Bande, die unter der Diskriminierung und Ausgrenzung schwer gelitten haben.

    Wir sind glücklich, dass nun unsere gleichgeschlechtlich Liebenden ihren heterosexuellen Geschwistern beinahe gleichgestellt sind. Wir danken dem Zürcher Stimmvolk für seinen mutigen Entscheid.

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23.09.2002 FELS LOS PINK-CROSS Pressemitteilung zur Abstimmung in ZH

    Jubel in Zürich

    Mit überwältigendenem Mehr (62,7%) hat das Zürcher Stimmvolk am Sonntag (22.9.) JA gesagt zur Gleichstellung homosexueller Paare. Die Annahme des Partnerschaftsgesetzes verlangt nach einer umfassenden Gleichstellung auf Bundesebene.

    Die nationalen Dachorganisationen FELS, LOS und PINK CROSS haben mit grosser Freude und Genugtuung die überaus deutliche Zustimmung des Zürcher Stimmvolks für das Gesetz über die Registrierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zur Kenntnis genommen. Weltweit ist dies das erste Mal, dass eine Bevölkerung über die rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Paaren abstimmen konnte. Das historische Ja bedeutet für Lesben und Schwule, im Kanton Zürich vom Staat nicht mehr als Menschen zweiter Klasse behandelt zu werden.

    Aufgrund dieses sehr klaren Volksmehrs fordern die schweizerischen Dachorganisationen den Bundesrat auf, dem Parlament baldmöglichst ein umfassendes Bundesgesetz zur Regelung von eingetragenen Lebensgemeinschaften zu unterbreiten. Dabei soll sich der Bundesrat an der zürcherischen Vorlage ein Beispiel nehmen, welche gleichgeschlechtliche Paare auf kantonaler Ebene den Ehepaaren rechtlich vollkommen gleichstellt. Dies muss auch auf Bundesebene die Richtschnur sein.

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