Referendum zur Stiefkind Adoption?

Stellungnahme des Dachverbands Regenbogenfamilien zu den Referendums-Bestrebungen gegen die Öffnung der Stiefkindadoption

Regenbogenfamilien Familles arc-en-ciel·Donnerstag, 30. Juni 2016

Nur von kurzer Dauer war die Freude über die deutliche Zustimmung des Parlaments zur Öffnung der Stiefkindadoption für gleichgeschlechtliche Paare. Das überparteiliche und überkonfessionelle Referendums-Komitee „Nein zu diesem Adoptionsrecht“ will bis zum 6. Oktober 2016 50‘000 Unterschriften sammeln und damit eine Volksabstimmung erzwingen.

Der Dachverband Regenbogenfamilien nimmt diese Bestrebungen mit Bedauern zur Kenntnis und ist daran, notwendige Unterstützungsangebote aufzubauen. „Regenbogenfamilien sind Teil der Schweizer Gesellschaft, leben gut integriert und bedürfen derselben Anerkennung und Absicherung wie andere Familien auch. Sollte das Referendum gegen die rechtliche Absicherung von Kindern in Regenbogenfamilien zustande kommen, würde das für tausende Kinder eine unnötige Verlängerung ihrer prekären rechtlichen Situation und weitere Diskriminierung bedeuten. In diesem Fall zählen wir darauf, dass sich eine Mehrheit der Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger für die Rechtsgleichheit und zum Wohl aller Kinder in der Schweiz entscheiden wird,“ äussert sich Maria von Känel, die Geschäftsführerin des nationalen Dachverbands Regenbogenfamilien, zu den Referendums-Bestrebungen.

Der Dachverband Regenbogenfamilien warnt davor, sich von den ideologischen Dammbruch-Argumenten des Referendums-Komitees blenden zu lassen, und er weist darauf hin, dass nicht nur Bundesrat und Parlament einen dringenden Handlungsbedarf zur Behebung des momentan bestehenden rechtlichen Missstandes sehen, sondern auch, und vor allem, die Kinder- und Familienorganisationen sowie die Kindesschutzbehörden. „Wir werden alles daran setzen, unsere Familien zu stärken und vor etwaigen Hassreden zu schützen“ kündigt Maria von Känel die geplanten Bestrebungen an. Bereits heute sind Familien dazu geraten, sich zu zeigen und Brücken zu bauen. Allfällige Schwierigkeiten oder Ausgrenzungen können beim Dachverband Regenbogenfamilien gemeldet werden. Argumentationen Jedes Kind hat Anrecht auf Anerkennung seiner Familie Gleichgeschlechtliche Paare sind ebenso wie gegengeschlechtliche Paare in der Lage, Kinder zu betreuen, Elternrechte und -pflichten wahrzunehmen, das Wohl ihrer Kinder zu gewährleisten und deren Entwicklung zu fördern. Bereits heute wachsen in der Schweiz tausende Kinder in Regenbogenfamilien auf. Was bisher fehlte, ist ein Gesetz, welches ihre Lebensrealität anerkennt und auch im Fall von Invalidität oder Tod eines Elternteils rechtlichen Schutz bietet. Die Gesetzesänderung im Rahmen der Revision des Adoptionsrechts hat diesen diskriminierenden Missstand beseitigt – denn jedes Kind hat ein Anrecht auf Anerkennung seiner Familie und die damit einhergehende Absicherung. Das Gesetz ist ein entscheidender Schritt zur Gleichbehandlung und Absicherung von Kindern, die mit gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen.

Rechtlicher Missstand Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen, leben in den meisten Fällen mit zwei Elternteilen zusammen. Doch rechtlich wird nur einer von beiden anerkannt. Damit wird den Kindern allein aufgrund der sexuellen Orientierung ihrer Eltern faktisch die Möglichkeit genommen, rechtlich und finanziell vollumfänglich abgesichert zu leben. Konkret soll durch die neue gesetzliche Bestimmung zum Beispiel sichergestellt werden, dass Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen, im Falle des Todes ihres leiblichen Elternteils bei ihrem zweiten Elternteil verbleiben können und nicht fremdplatziert werden. Im Falle des Todes ihres nicht-leiblichen rechtlichen Elternteils haben sie einen Erbanspruch sowie einen Anspruch auf Waisenrente. Des Weiteren wird gewährleistet, dass sie ihren zweiten rechtlichen Elternteil im Trennungsfall weiterhin sehen können und auch einen gesetzlichen Anspruch auf Unterhalt haben. Kontakt und weitere Informationen: info@regenbogenfamilien.ch Maria von Känel (Geschäftsführerin, Dachverband Regenbogenfamilien) 079 611 06 71 Dachverband Regenbogenfamilien Der national tätige Verein vertritt seit 2010 die Interessen von Regenbogenfamilien in der Schweiz und setzt sich für deren gesellschaftliche Anerkennung und rechtliche Gleichstellung ein. Der Dachverband bietet Beratungen und Treffen für Regenbogenfamilien und LGBTQ-Menschen mit Kinderwunsch an und organisiert Workshops und Informationsveranstaltungen rund um das Thema Regenbogenfamilien.